Kritik an Horoskopen

Kurze Anmerkung: Ich beziehe mich hier im Artikel auf Horoskope als Begriff für Transitdeutungen und nicht für Radixdeutungen. Letztere sind – nach meinem Verständnis – die Deutung deiner psychologischen Eigenschaften laut Geburtsradix, ohne Berücksichtigung aktueller Transite.

Gestern habe ich einen Podcast gehört, in dem es Kritik an Horoskopen gab – Kritik, die ich schon öfter in meinem Leben gehört habe. Und ich dachte mir: Perfekt für einen Blogartikel! Denn da ist durchaus einiges Wahres dran – aber vielleicht anders, als ihr denkt. Die Kritik war, dass Horoskope oft so geschrieben sind, dass sie sehr generisch wirken und sich eigentlich jeder darin wiederfinden kann. Oft wird diese Kritik dann auf die gesamte Astrologie übertragen – und genau da, finde ich, können wir mal ein bisschen aufräumen. ;-)

Zuallererst möchte ich klarstellen: Glaube ist immer etwas sehr Persönliches. Auch in der Spiritualität ist jeder Mensch individuell darin, was für ihn oder sie persönlich Resonanz erzeugt. Das heißt, wenn man spirituell ist, muss man nicht zwangsläufig mit allen spirituellen Themen, wie z.B. mit Astrologie, Numerologie, Human Design, der Wirkung von Steinen, Tarot oder anderen Dingen anfangen können. Das ist alles vollkommen individuell – und man kann einzelne Sachen für sich entdecken auch an gar nichts davon glauben. Alles ist okay.

Aber ich finde es dennoch wichtig zu verstehen, wie Astrologie funktioniert – zumindest aus meinem persönlichen Blickwinkel.

Kritik an Horoskopen

Horoskope, wie die meisten sie kennen, finden wir oft in Zeitschriften, Wochenblättern, Zeitungen oder mittlerweile auch online. Diese Horoskope richten sich – im Idealfall, wenn sie von einer geschulten Astrologin oder einem Astrologen erstellt werden – an eine große Gruppe von Menschen, die aktuelle Transite der Planeten in das Häusersystem und somit in Bedeutung für die entsprechenden Zeichen bringt. Das bedeutet: Wenn Jupiter sein Zeichen wechselt, wechselt er auch das Haus in deiner Radix und beginnt somit, in einem neuen Lebensbereich zu wirken. Hier beginnt jedoch schon der Knackpunkt allgemeiner Horoskope. Denn wenn du dein Horoskop liest, solltest du es nach deinem Aszendenten-Zeichen lesen – nicht nach deinem Sonnenzeichen. Der Grund dafür ist, dass der Aszendent bestimmt, wie die Häuser deiner Radix fallen. Im Ganzzeichenhaussystem wäre es z. B. bei einem Widder-Aszendenten so: Das erste Haus liegt im Widder, das zweite im Stier, das dritte im Zwilling usw. Es gibt natürlich noch andere Häusersysteme, die das Ganze komplexer machen – aber die lasse ich hier einmal außen vor. Allgemeine Horoskope richten sich also danach, in welchem Haus ein Transit stattfindet, und deuten daraufhin die Themen, die aktiviert werden.

Beispiel:
Du und deine beste Freundin seid beide Widder-Sonnen. Sie ist außerdem Widder-Aszendentin, du jedoch Steinbock-Aszendentin. Wenn dann der Jupiter im Krebs steht, werden aufgrund eurer Aszendenten unterschiedliche Häuser mit der Jupiter-Energie aktiviert – und das unabhängig von eurer gleichen Widder Sonne. Deine Freundin würde den Krebs-Jupiter in ihrem 4. Haus (Zuhause, Familie, emotionale Wurzeln) spüren, während du mit deinem Steinbock-Aszendenten die Wirkung im 7. Haus (Beziehungen, Partnerschaften, das Gegenüber) wahrnehmen würdest. Während sie z. B. eine Expansion oder einen positiven Schub im Bereich ihres Zuhauses erleben könnte – etwa durch einen Umzug in ihre Traumwohnung –, könntest du z. B. eine neue, glückliche Partnerschaft eingehen oder dich verloben. Eure Sonne würde zwar auch einen Aspekt zu Jupiter bilden, aber der Lebensbereich, in dem sich Jupiters Energie entfaltet, wird durch euren Aszendenten bestimmt.

Das Ganze würde dann die Deutung eines Planeten beinhalten, der sich im Bereich deines Häusersystems aufgrund deines Aszendenten bewegt und dabei bestimmte Themen aktiviert. Doch auch das Horoskop auf Basis deines Aszendenten bleibt immer noch sehr allgemein – schließlich sind solche Horoskope an ein großes Publikum gerichtet. Die Aspekte deiner Geburtsplaneten zu diesen Transiten bleiben bei dieser Deutung also komplett außen vor.

Das kannst du dir ein bisschen wie eine Großfamilie vorstellen: Jeder Planet hat eine eigene Beziehung zu den anderen Planeten deiner Radix. Dadurch zeigt deine Geburtsradix schon in sich, wie du als Person „gestrickt“ bist und wie deine Planeten eigene unterschiedliche Beziehungen zueinander haben. Wenn dann Transite hinzukommen, können sich Energien verstärken, harmonischer werden oder auch Spannungen erzeugen – Knotenpunkte also, die dich dazu anregen, gewisse Themen zu lösen oder aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Diese komplexe Dynamik lässt sich natürlich nicht in einem allgemeinen Zeitungshoroskop abbilden, weil dort deine individuelle Radix nicht berücksichtigt wird.

Beispiel:
Steht dein Mond in Konjunktion mit Pluto in deiner Geburtsradix, dann sind dein Wohlbefinden, deine Emotionen und die Art, wie du Beziehungen führst (Mond), von Geburt an von plutonischen Themen wie Kontrolle, Macht und Transformation geprägt. Kommt nun Saturn im Transit hinzu und bewegt sich über diese Radixkonstellation oder bildet einen Aspekt dazu, kann das Druck erzeugen. Saturn „sagt“ gewissermaßen: Ich sehe hier Muster, die du verändern musst, um glücklicher weiterleben zu können. Der Transit verstärkt also den inneren Druck, etwa um dich von kontrollierenden Menschen zu lösen, Machtdynamiken in Beziehungen zu transformieren und deine eigene innere Stärke zu entdecken.Was zuvor vielleicht nur unterschwellig spürbar war, wird durch den Transit so sehr intensiviert, dass der Druck wächst – bis eine Transformation die einzige Erlösung bringt. So treibt dich der Transit in deiner persönlichen Entwicklung voran. Das ist eine individuelle Konstellation, die astrologisch gedeutet werden kann, aber natürlich nicht auf alle Menschen mit demselben Aszendenten zutrifft

Allgemeine Horoskope können also nur allgemeine Hinweise darauf geben, welche Themen gerade eine Rolle spielen könnten – niemals jedoch die Tiefe und Komplexität deiner persönlichen Radix ersetzen.

Kritik an Astrologie an sich

Wenn wir nun auch die psychologische Astrologie betrachten, also Horoskope im Sinne der Archetypen, gibt es oft die Kritik, dass die zwölf Sternzeichen so beschrieben seien, dass sich jeder darin wiederfindet. Diese Kritik kann ich jedoch nicht ganz nachvollziehen – meiner Ansicht nach beruht sie oft darauf, dass man sich die Archetypen nicht wirklich genau angesehen hat.

Denn wenn man sich z. B. die gegenüberliegenden Zeichen im Tierkreis ansieht, erkennt man schnell, dass diese oft sehr gegensätzlich sind – fast so, als wären sie zwei Enden derselben thematischen Achse. So ist der Steinbock archetypisch sehr arbeitsfokussiert, verantwortungsbewusst, stabil, kontrolliert und ehrgeizig – oft als „Vater-Archetyp“ beschrieben. Der Krebs hingegen gilt als fürsorglich, emotional, empathisch, weich, manchmal grenzunsicher und aufopfernd – er verkörpert den „Mutter-Archetyp“. (Die Beschreibung ist hier bewusst kurz und plakativ zur Veranschaulichung.)

Zu behaupten, dass jedes Sternzeichen so beschrieben sei, dass es auf jeden Menschen passe, ist meiner Meinung nach also schlicht falsch. Man kann nicht gleichzeitig Eigenschaften verkörpern wie „zieht sich gerne zurück“ und „steht gerne im Rampenlicht“. Ich verstehe jedoch, dass die astrologische Komplexität oft schwer zu greifen ist – besonders, weil wir eben nicht nur ein Sonnenzeichen sind. Wir tragen viele verschiedene Energien in uns, die sich je nach Zeichen, Haus und Aspekt unterschiedlich äußern – und manchmal auch in Spannung zueinander stehen.

So zeigt sich z. B. eine Sonne im Löwen anders als ein Mars im Löwen oder ein Mond im Löwen, da sich die Energie des Planeten mit der Energie des Zeichens mischt. Wenn sich persönliche Planeten in der Radix gegenüberstehen, kann sich das sogar wie ein inneres Tauziehen anfühlen – etwa, wenn die Löwe-Sonne im Rampenlicht stehen will, während der Fische-Mond den Rückzug bevorzugt. Dann gilt es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Ego-Bedürfnissen (Sonne) und emotionalen Bedürfnissen (Mond).

Fazit

Die Frage ist also weniger, ob Horoskope richtig oder falsch sind, sondern vielmehr, wie komplex und individuell man sie betrachtet – und wozu sie einem dienen.

Ich persönlich nutze die psychologische Astrologie, um mich selbst besser zu verstehen, meine Bedürfnisse einzuordnen und mehr Selbstmitgefühl mit mir zu entwickeln.

Und genau das wünsche ich auch dir:
Dass mein Wissen über die Astrologie dich dabei unterstützt, dich selbst besser zu verstehen, Nachsicht mit dir zu haben und deine eigenen Bedürfnisse klarer zu erkennen – damit du ein glücklicheres Leben führen kannst.

Horoskope – selbst wenn sie individuell auf deine Radix erstellt sind – sollten nie als Vorhersagen verstanden werden, was die Zukunft für dich bereithält. Das liegt außerhalb meiner Fähigkeiten ;-)
Aber ich kann dir helfen, die aktuelle Zeitqualität zu entschlüsseln und zu verstehen, warum du dich vielleicht gerade in einer herausfordernden Phase befindest oder wann die Energie des Universums günstiger für Veränderungen ist. Was du daraus machst, liegt – zum Glück – immer in deiner Hand.

Mir persönlich hat die Astrologie das größte Geschenk gemacht:
Sie hat mir gezeigt, dass ich nicht „zu sensibel“ bin, sondern einfach sensibel geboren wurde – und dass genau das mein größtes Geschenk ist.

Also lass uns gerne gemeinsam herausfinden, was dein größtes Geschenk ist – und wie du es auf deine ganz eigene Weise glücklich leben kannst. ✨

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Saturn in den Fischen